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Meine Schmerzgeschichte

Ich möchte meinen ersten Blog-Beitrag dazu nutzen, dir ein wenig über mich zu erzählen: Wer ich bin, was ich mache und warum ich mich ausgerechnet mit der Thematik „Schmerz“ beschäftige.

Mit 3 Jahren stand ich das erste Mal auf Skiern und bin auf einem Pferd geritten. Ich war bei den Hessenmeisterschaften im Voltigieren, habe jahrelang Turniere im Spring- und Dressurreiten absolviert, bin im Schwimmen und Volleyball in der Schulsportmannschaft gewesen, war Step Aerobic – Trainerin… es gab keinen Tag ohne Sport. 2002 wurde ich dann selbst zur Schmerzpatientin und Bewegung tat mir eher weh, statt mir gut zu tun. Was war geschehen? Nichts wirklich Aufregendes, Erwähnenswertes oder gar Schlimmes.

Ich hatte im Kindes- und Jugendalter drei schwerere Infektionen, die vielleicht jetzt noch ihre Nebenwirkungen zeigten. Ich habe sehr viel und intensiv Sport gemacht und habe mich oft über meine Grenzen hinaus belastet. Hinzu kommt, dass ich ein sehr perfektionistischer Mensch bin, der sich selbst viel Druck macht. Ich verstand die Welt nicht mehr und eine Diagnose gab und gibt es bis heute nicht. Trotzdem beendete ich 2007 mein Deutsch- und Sportstudium, was wirklich oftmals mehr Qual als Freude war und seitdem beschäftigt mich der menschliche Körper in Zusammenhang mit Bewegung und Schmerzen.

Ich habe mich immer gefragt, warum manche Menschen so extrem leistungs- und belastungsfähig sind und bei anderen, so wie mir, der Körper überhaupt nicht (mehr) zu funktionieren scheint? Warum tut mir immer alles weh, wenn ich doch jeden Trainingsplan befolge und alle Tipps umsetze? Warum fühle ich mich ständig müde und ausgelaugt? Wie schaffe ich meinen Alltag, der voll ist mit (körperlichen) Belastungen, Verpflichtungen und Aktivitäten?
Heute weiß ich, dass es nicht den einen Grund gibt, nach dem ich lange gesucht habe. Die Ursache für meine Schmerzen steckte in allen oben genannten Gründen: Ständige Überlastung und Überforderung, sowohl körperlich als auch mental. Ein Immunsystem, das permanent auf Hochtouren läuft, da manche Viren trotz Behandlung im Körper bleiben und das Immunsystem herausfordern. Glaubenssätze, die mich klein machten, mich bremsten und auf körperlicher Ebene zum Ausdruck kamen. Eine oftmals schlechte Ernährung, da es schnell gehen musste und ich keine Zeit habe. All das verursachte meine Schmerzen.

In guten Zeiten, wenn ich mir, meinem Körper und meiner Ernährung Achtung und Aufmerksamkeit schenkte, dann spürte ich, dass so viel Power und Potential in mir steckt. Ich fühle mich wohl und kann alles schaffen. In Zeiten, in denen mir, aufgrund von Terminen, Stress und Anforderungen, dies nicht gelang, fühlte ich mich schwach und hilflos. Ich kenne die Probleme und Ängste, die mit Schmerzen verbunden sind und das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn kein Arzt helfen kann, das Verständnis von Familie und Freunden schwindet und keine Verbesserung in Aussicht ist.

Ich möchte dir genau jetzt Hoffnung machen und zurufen, dass das nicht so bleiben muss. Nachdem ich die Zusammenhänge erkannt und verstanden habe und an jeder einzelnen Stellschraube täglich ein wenig arbeitete, hat sich meine Lebensqualität total verändert. Die Tage mit Schmerzmitteln auf dem Sofa sind Vergangenheit, die ständigen unbefriedigenden Arztbesuche fallen weg.

Nach meinem Studium arbeitete ich 11 Jahre in einem Gesundheitszentrum mit Physiotherapeuten und Orthopäden zusammen. Diese Arbeit war gewinnbringend, zeigte aber auch die Grenzen der Medizin auf. Auch hier begegnete ich immer wieder dem Bild der Individualität des Schmerzes: Während das eine Mitglied mit einem Bandscheibenvorfall schmerzfrei und kraftvoll trainierte, kam ein anderes Mitglied mit der gleichen Diagnose überhaupt nicht mehr auf die Beine. Die gleiche Therapie wirkte bei beiden völlig unterschiedlich.

In meiner jetzigen Tätigkeit als Personal Trainerin kann ich noch individueller, ganzheitlicher und persönlicher arbeiten und ich darf mit jedem/r neuen schmerzfreien Klienten/in lernen und erfahren, dass genau diese Betrachtungsweise den Unterschied in Bezug auf die Schmerzbehandlung ausmacht: Jeden Schmerz ganzheitlich zu betrachten und die Maßnahmen auf die Person, die vor mir sitzt, individuell anzupassen.

 

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